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Statisches und dynamisches Gleichgewicht

5. Januar 2009 (10:15) | WorkLife | Von: Stephan List

Kollege Florian Steglich hat in einem Blogbeitrag zu Silvester auf einen Artikel von Scott H. Young hingewiesen: Life Balance is Overrated. Florian fasst zusammen:

Work-Life-Balance ist zum Konsensziel geworden. Zu Unrecht, findet Scott H. Young. Denn Balance sei naturgemäß statisch, das Gegenteil von Veränderung und Entwicklung.

Da fühlt sich der ehemalige Ingenieur zum Widerspruch herausgefordert ;-) . Balance, zu deutsch Gleichgewicht ist mitnichten naturgemäß statisch, ganz im Gegenteil. Ein Blick in die allwissende Wikipedia hätte gereicht: Es gibt unterschiedliche Gleichgewichtszustände. Soviel aus der Abteilung Klugsch…

Für mich ist Life Balance ein dynamisches Gleichgewicht. Es liegt dann vor, “wenn in einem System zwei entgegengesetzt verlaufende Prozesse sich in ihrer Wirkung gerade aufheben”. Oder anders ausgedrückt: Natürlich gibt es Zeiträume, in denen die beruflichen Aufgaben im Vordergrund stehen und ich ihnen meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit widmen muss. Nur muss ich eben in anderen Bereichen, z.B. Freizeit oder Familie, dafür sorgen, dass die kraftzehrende Wirkung der beruflichen Anstrengung wieder aufgehoben wird. “Die Batterie aufladen”, heißt so etwas im Volksmund. Dann gibt es wieder Zeiten, in denen mich die Familie voll fordert. Der Ausgleich erfolgt dann wieder über den Beruf usw. Insofern ist m.E. der Begriff “Life Balance” überhaupt nicht überschätzt, vielmehr baut Young mit seinem Artikel Potemkinsche Dörfer auf. Life Balance im Sinne eines dynamische Gleichgewichts ist für ein gesundes Leben schlichtweg eine Voraussetzung.



Kommentare

Kommentar von Armin
Zeit: 5. Januar 2009, 14:45

Danke für den Beitrag. Volle Zustimmung. Über den Beitrag von Scott H. Young stolperte ich auch …

Kommentar von Niels
Zeit: 6. Januar 2009, 10:45

Ich bevorzuge statt “dynamisches Gleichgewicht” (obwohl der Begriff auch sehr gut passt) den Begriff des “Spannungsfeldes” mit verschiedenen, auf einander einwirkenden Kraftbereichen. Und zwar, weil Balance zumindest bei mir immer die Assoziation einer alten Justitia-Waage hervor ruft – und die hat nur zwei Schalen. Da das Leben aber nun mal deutlich mehr Dimensionen hat… Zudem kann ich mir Spannungsfelder viel eher dynamisch vorstellen als eine Waage. Ansonsten aber volle Zustimmung.

Pingback von Der gute Vorsatz, der böse Schweinehund und die hässliche Wahrheit « Lernen Heute
Zeit: 6. Januar 2009, 21:52

[...] Stephan List hat bei Scott H. Young gefunden, die vielzitierte Work-Life-Balance nicht so ernst zu nehmen, wie oft gepredigt wird. Mal im Job reinhauen, dass die Bäume krachen, mal 10 Wochen intensiv für den Marathon trainieren oder mal alles stehen und liegen lassen und sich 100%ig um die Family kümmern. Alles andere wäre fad und führt zu Stillstand. Recht hat er. Langfristig sollte die Work-Life-Balance aber stimmen. [...]

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