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Alter Wein in neuen Schläuchen?

16. Oktober 2007 (12:38) | Selbstmanagement | Von: Stephan List

Kollege Armin Karge hat heute auf seinem Weblog einen Artikel zum Thema Getting Things Done veröffentlicht: Getting Things Done: Eine Einführung. Er schreibt:

So richtig habe ich den Rummel um Getting Things Done (GTD) immer noch nicht verstanden. Liest man die aktuellen Beiträge zum Thema, könnte der Eindruck entstehen, dass das Rad neu erfunden wurde. Dabei ist das Meiste altbekannt, hieß früher “Zeit- oder Selbstmanagement” und wurde jetzt um wenige technische Neuerungen erweitert.

Ich verstehe den Rummel irgendwie schon. Denn David Allen hat eine Methode vorgestellt, die im Gegensatz zu anderen mir bekannten auch funktioniert. Das nehmen Menschen, die nicht 100%ig selbstgesteuert ihre Arbeit verrichten, natürlich gerne auf. Es geht auch nicht darum, dass Vieles altbekannt ist. Das sagt David Allen sogar selbst. Es geht darum, dass die Methoden anders kombiniert und zu einem anderen Ablauf zusammengefügt werden. BTW: Was sind denn die wenigen technischen Neuerungen?

Zum einen leben Berater davon, wieder “eine neue Sau durch`s Dorf zu treiben”. Mangels grundlegend neuer Ideen muss dann ein neues Etikett herhalten.

Ich finde, das mit der Sau trifft gerade auf GTD nicht zu. Das Thema ist nicht berater- sondern anwendergetrieben, wie ein Blick auf das GTD-Forum und die vielen Weblogs zeigt, in denen Nichtberater über GTD schreiben. Jemand wie ich ist da eher die Ausnahme.

Zum anderen scheint die ständig steigende Leistungsverdichtung mehr denn je einen Leidensdruck zu erzeugen, der aktuell zu einer Renaissance des “Selbstmanagement” (neudeutsch: GTD) führt.

Dem stimme ich uneingeschränkt zu, bis auf die Kleinigkeit, dass m. E. GTD nicht Selbstmanagement selbst, sondern lediglich eine Untermenge davon ist.



Kommentare

Kommentar von Armin
Zeit: 16. Oktober 2007, 13:10

Es freut mich, dass der “Großmeister des GTD” auf meinen – zugegeben etwas provokativen – Beitrag eingeht. Ihren Blog mit seinen nützlichen Tipps habe ich ständig auf dem Radar.

Trotzdem hört Ihre Stellungnahme da auf, wo meine Hauptkritik anfängt. Vielleicht habe ich das nicht so deutlich ausgedrückt:

“Aus meinen Coachings weiß ich, dass viele Kunden in tiefe Sinnkrisen gestürzt werden, weil sie sich wie in einem Hamsterrad vorkommen, welches sich immer schneller dreht. Ob GTD dazu beiträgt, aus dem Hamsterrad auszubrechen, oder ob man nur befähigt wird, in dem Rad ein paar Umdrehungen schneller mitzuhalten, bleibt abzuwarten.”

Mir kommt es so vor, dass GTD hierauf nur sehr nachgeordnet eingeht. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Kommentar von nimue
Zeit: 16. Oktober 2007, 13:25

was ich festgestellt habe (u.a. in diversen foren):
anstatt sich zeit zu “erschaffen” wird erst mal die richtige ausrüstung organisiert, 1000 bücher gewälzt, unzählige diskussionen geführt, wie man was am besten macht… sprich zeit verplempert, anstatt einfach anzufangen. meine ur-ausstattung der 43-folders bestand aus benutzten c4-umschlägen, einem schwarzen filzstift und einem alten zeitschriftensammeldings. ästethisch nicht der hit, aber vollkommen ausreichend. andere suchen noch heute american-like-folders :-) .abgesehen davon, daß sie wegen der sucherei noch weniger zeit haben. ich hab derweil die gesparte zeit in die renovierung meiner wohnung investiert. das ist mir wichtiger als ein ästethisches folder-system, daß eh keiner sieht, weil es im schrank steht.
aber ich bin ja auch “nur” eine angestellte, die nebenher die firma eines freundes und die auflösung der firma der eltern managt.

Kommentar von Stephan
Zeit: 16. Oktober 2007, 13:37

Danke erst einmal für das Lob. Der Großmeister allerdings sitzt in Kalifornien :-)

Ich bin natürlich bei dem Beitrag auf das eingegangen, was mich zuerst angesprungen hat. Mir war nicht klar, dass der Satz oben Ihre Hauptkritik ist.
Allerdings möchte ich diese auch gar nicht kommentieren, weil ich das gar nicht als Kritik gegen GTD empfinde.
Ich stimme dem Satz in dem Kommentar ohne Vorbehalt zu. Wer glaubt er müsse GTD dazu benutzen das Hamsterrad schneller drehen zu lassen, betrügt sich selbst. Ich kann mich noch gut erinnern, dass David Allen während seines Workshops in Washington ausdrücklich betont hat, dass es nicht “voller als voll” geht: “You can do anything, but you can’t do everything.”
Ich selber habe schon Coachingaufträge abgelehnt, bei dem die Klienten mit GTD noch mehr aus sich herausholen wollten, obwohl sie schon voll bis Oberkante Unterlippe waren.
Kurz und gut: GTD soll dabei helfen, sich Freiräume zu schaffen und nicht dabei, die Selbstausbeutung zu perfektionieren.

Kommentar von Stephan
Zeit: 16. Oktober 2007, 13:42

@nimue

Ich muss gerade schmunzeln. Mir ist es beim Lesen mancher Beiträge in diversen Foren ebenso gegangen. Da wird seitenweise diskutiert, ob man Ordner von Massei oder Clappei verwenden solle. Das ist sowas von wurscht. “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”, meint Erich Kästner. Recht hat er.

Kommentar von Armin
Zeit: 16. Oktober 2007, 14:43

@nimue
Die “43-folders” habe ich schon über 10 Jahre. Das gab`s mal für `nen Appel und `nen Ei (ohne Hype-Zuschlag) bei LEITZ als “Hängemappen-Set” mit “Methodik-Mappen (31 Tages- und 12 Monatsmappen)”, “Aufgaben-Planer”, “Terminzetteln” und “Methodik-Handbuch” zu kaufen ;-)

@Stephan
Ich bin sicher, dass wir nahe beieinander sind. Mit Sicherheit hat GTD noch einiges zu bieten, um mein angestaubtes Zeitmanagementwissen aufzupolieren. Wichtig ist mir, nochmals den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz deutlich zu machen. Man kann mit Volldampf in die falsche Richtung laufen. Aber ich will keine Eulen nach Athen tragen…

Kommentar von Stephan
Zeit: 16. Oktober 2007, 16:47

LOL: Zu dem Hype-Zuschlag…
Das treibt in den USA schon tolle Blüten. Was der Allen an Merchandising macht, ist sagenhaft. Da gibt es GTD-Baseballmützen, -Plastikhefter, -Geldbeutel etc. Für uns Europäer eher bizarr, dort drüben aber völlig normal. Ich finde es ok, schließlich entscheide ich, ob ich etwas kaufe oder nicht. Den Kopf schütteln musste ich aber dennoch.

Hier ein paar Bilder zum Mitschmunzeln:
http://tinylink.com/?GRT5lKRbaC

Kommentar von Niels
Zeit: 16. Oktober 2007, 17:57

Im Grunde ist es doch ganz einfach: Wenn die vielfach angebotenen “Wundertools” einem helfen, sich selbst besser zu organisieren, dann ist es gut – unabhängig davon, ob man es unter GTD verbucht oder unter einem anderem Begriff. Funktioniert es bei einem nicht, muss man halt eine andere Lösung finden.

Ich habe Kunden, die lieben diese Papier-Dingens wie den Taskitulator (dazu zähle ich mich selbst auch). Andere wiederum arbeiten bevorzugt mit PIM´s wie Notes oder Outlook. Und Dritte kombinieren alles wild durcheinander (schon wieder ich :-) )…

Insofern geht für mich die Diskussion und der Hype völlig am eigentlichen Thema vorbei. Ich halte es schlichtweg für überflüssig, darüber zu sinnieren, ob Leute wie Mr. Allen das Rad neu erfunden hat, ob er gehypt wird und ähnliches. Entscheidend ist, dass Mr. Allen und andere den Fokus des Selbst- und Zeitmanagements wieder etwas enttechnisiert haben, in dem sie eben auch tolle Papiertechniken vorstellen. Darin liegt für der echte Mehrwert…

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Kommentar von erwin
Zeit: 26. Dezember 2007, 22:25

bei der ganzen hype kommt mm nach das selbst beim management zu kurz. jeder muss selber seine arbeitsweise auf Effizienz und Machbarkeit hinterfragen das hat nichts mit sogenannten tools zu tun .das beste tool sitzt immernoch zwischen den ohren und läuft rund um die uhr :-)

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