5 Umstände, bei denen auch Getting Things Done nicht helfen kann
Ich erlebe immer wieder in meinen Workshops Teilnehmer, die mit hohen Erwartungen kommen und dann ziemlich enttäuscht wieder gehen. Besonders zwei Erwartungshaltungen erlebe ich immer wieder:
- Lieber Trainer, gib mir ein System, dass ohne mein Zutun von alleine läuft. Noch besser wäre es, wenn ich nichts ändern müsste.
- Ich bin voll mit Arbeit bis zur Halskrause. Bitte gib mir etwas, mit dessen Hilfe ich einem Konflikt mit meinem Chef (meinem Team, meinem Kollegen) aus dem Weg gehen kann.
Beide Anliegen laufen auf "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" hinaus. Sie stoßen bei mir zwar auf tiefes Verständnis, erfüllen kann ich die Wünsche trotzdem nicht. Scott (nein, nicht David) Allen hat ebenfalls einige Umstände gesammelt, bei denen GTD nicht hilft: 5 Things GTD Won’t Fix.
- Selbstdisziplin
- Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS)
- Suchtverhalten (z. B. Computerspiele)
- Systemüberlastung
- Priorisieren der eigenen Werte
1 und 4 hatte ich oben schon erwähnt. Bei 5 gibt es zumindest einige Hilfestellungen, nachzulesen in Making It All Work. Und zu Punkt 2 kann ich nicht sagen, denn ich kenne mich auf diesem Gebiet nicht aus. Vielleicht weiß ein Leser mehr.
Kommentare
Kommentar von Stefan
Zeit: 6. August 2009, 09:48
Zu Punkt 5. kann ich einen Ansatz aus der NLP empfehlen.
1. Die eigenen Kernwerte erkennen
2. Die persönlichen Ziele identifizieren
3. Die eigene Mission erkennen/bilden
Zu jeden Punkt gibt es natürlich eine bestimmte herrangehensweise in der NLP.
Ich kann das Buch “Praxiskurs NLP” von Steve Andreas dazu empfehlen.
Kommentar von Stephan List
Zeit: 6. August 2009, 12:21
@Sonja
Danke für den umfangreichen Kommentar. Da konnte ich einiges lernen. Mit der Aufschieberitis magst Du Recht haben. Da muss ich mal darüber nachdenken. Für mich ist das ewige Aufschieben bislang eher Ausdruck der Angst vor dem Scheitern gewesen.
Und natürlich: Vielen Dank für das Kompliment zum Schluss.
Kommentar von Stephan List
Zeit: 6. August 2009, 12:26
@Stefan
Hm, klingt nach der Herangehensweise im klassischen Zeitmanagement. Mit Verlaub, ich glaube nicht, dass dieses Verfahren funktioniert.
Gruß Stephan (NLP Master)
Kommentar von Nimue
Zeit: 7. August 2009, 12:12
In der Aufzählung fehlt noch der Perfektionismus. Hervoragend dazu geeignet, jeden Versuch der Organisation abzuschießen. Ich habe damit das Chaos über Jahre hinweg aufrechterhalten.
Bis ich eines tages auf den Trichter kam, Altlasten altlasten sein zu lassen und einfach mit dem aktuell einlaufenden Kram anzufangen. Ich brauchte dann immer noch knapp ein Jahr, bis ich die Perfekten Mappen gefunden habe
, aber nun klappt das. Lohnabrechnung kommt rein, lochen, ab in den Ordner. Ohne vorher Jacke auszuziehen *fg* (manche Sachen lege ich immer noch im Ordner ab). Ich muß nur noch die 3 Wäschekörbe Unterlagen aus der letzten Dekade abarbeiten…..
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Zeit: 10. August 2009, 16:09
[...] (via ToolBlog) [...]
Kommentar von Andreas
Zeit: 15. August 2009, 14:08
zu 2. AD/HS: Das kann ich nur ein klares Jein äußern. GTD kann AD/HS nicht heilen (wie Scott Allen es richtig formuliert), nicht nur deshalb, weil AD/HS garnicht heilbar ist. GTD kann aber ein möglicher Lösungsansatz für Menschen sein, die Probleme im Zeit-/Aufgaben-/Selbstmanagement haben, wie sie bei AD/HS symptomatisch sind. Warum?
klarer Ablauf: Die klar von einander getrennten 5 Schritte erfassen, durcharbeiten, organisieren, kontrollieren und tun zeigen einen eindeutigen und nachvollziehbaren Weg für die Auseinandersetzung mit den anfallenden Dingen auf.
Kleinschrittigkeit: Dadurch, daß komplexere Vorhaben (aka Projekte im GTD-Kontext) durchdacht und in einzelne Schritte zerlegt werden, wird aus dem als unüberwindlich wahrgenommenen “Big Problem” eine Ansammlung konkreter, zielführender Schritte, deren Erledigung beständig kleine Erfolgserlebnisse verschafft. Kennt man auch als Salamitaktik.
Kontextorientierung: Indem Aufgaben nach Kontexten und ohne zwangsläufige Deadline notiert werden, fällt es leichter, eine Auswahl zu treffen und etwas zu erledigen und das lähmende Gefühl der Frustration angesichts einer an Tag x doch nicht erledigten Aufgabe kommt nicht auf.
Change of Habits: Wenn man GTD implementiert, verändert man Gewohnheiten und baut sich bestimmte Routinen auf (z. B.: alles aufschreiben, täglich in die 43 Folders gucken, die Kontextlisten durchsehen, Salamitaktik anwenden usw.). Die bei AD/HSlern empfohlene Verhaltenstherapie hat ähnliche Ziele.







Kommentar von Sonja
Zeit: 5. August 2009, 13:45
Hallo!
ADS ist ein sehr komplexes Thema, was ich leider nicht mal schnell zusammenfassen kann.
Grob gesagt kann man Reize nicht filtern und alles ist gleich interessant. Dazu kommt ein extrem schlechtes Gedächtnis – und zig andere Symptome mehr oder weniger.
Man sitzt also am PC, schreibt seinen Quellcode da fliegt draußen eine Taube vorbei. Blöde Viecher, schnell mal nen Eimer Wasser aus dem Fenster kippen weil die davor rumgurren. Wasser? Ja, ich habe Durst… was wollte ich gleich noch im Bad? Bestimmt auf Toilette. Oh, das Toilettenpapier ist alle, da muss ich einkaufen…
1000 Dinge angefangen (wollen) und nix fertig.
Ich muss aber in Grenzen widersprechen. Ich habe vermutlich ADS und nutze ein an meine Bedürfnisse angepasstes GDT. Ohne wäre hier das Chaos… mit weiß ich immerhin was ich alles tun müsste wenn ich könnte.
In der Liste fehlt eher Prokastination – die ist aber ein Symptom von ADS, vielleicht wurde da stark verallgemeinert.
Wenn du mehr wissen magst, meine Mail hast du jetzt ja. Ich lese das Blog so gerne, da freue ich mich wenn ich mal helfen kann.
LG
Sonja