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Eisenhower funktioniert nicht!

28. Mai 2009 (07:56) | Methoden, Selbstmanagement | Von: Stephan List

Pamela Pool stellt auf dem Blog Web Worker Daily ein Modell zum Setzen von Prioriäten vor: Not a GTD Disciple? Don’t Worry About It. Ihr entsprechendes Diagramm sieht so aus (pdf-Datei):

Wenn Ihnen die Skizze bekannt vorkommt, kann ich Ihnen auf die Sprünge helfen. Sie ist eine Variante des berühmten Prioritätenprinzips nach Eisenhower. Zitat Wikipedia:

Alle Aufgaben werden anhand der Kriterien wichtig/unwichtig und dringend/nicht dringend in vier Quadranten verteilt. Alle Aufgaben im Quadrant unwichtig/nicht dringend werden nicht erledigt.

Die Einteilung erfolgt wie folgt (im englischen Sprachraum sind die Quadranten anders benannt):

  • Die Y-Achse beschreibt die Wichtigkeit einer Aufgabe. Wenn eine Aufgabe oben angesiedelt ist, so ist sie wichtig. Ist sie unten angesiedelt ist sie unwichtig.
  • Die X-Achse beschreibt die Dringlichkeit einer Aufgabe. Ist eine Aufgabe rechts (oben: links) angesiedelt, so ist die Aufgabe dringend. Ist die Aufgabe links (oben: rechts) angesiedelt, so ist sie nicht dringend.

Es ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten der Faktoren Wichtigkeit und Dringlichkeit, deren Aufgaben jeweils eine bestimmte Art und Weise der Bearbeitung zugeordnet wird.

In Ihrem Artikel schreibt Pamela:

Compare this method to a complicated GTD diagram. [...] This UI/NUI/UNI/NUNI system (which is also lots of fun to say) is incredibly useful…

Kein Zweifel, das Ablaufdiagramm von GTD ist tatsächlich kompliziert, nicht nur auf den ersten Blick. Die Eisenhowermethode erscheint tatsächlich viel einfacher, nur ob sie “incrediby useful” ist, wage ich zu bezweifeln. Ich habe Heerscharen von Anwendern gesehen, die diese Methode nach langem Ausprobieren wieder verworfen haben ohne recht zu wissen, warum.

Die Gründe hierfür liegen m.E. in den Worten dringend und wichtig.

Wichtig: Was sind die Kriterien für “wichtig”, wie wird Wichtigkeit gemessen? Vor allem aber: Wer legt dies fest? Ich selbst, mein Chef, der Kunde, Kollegen, äußere Umstände? Wer ist tatsächlich in seiner Arbeit so selbstbestimmt, das er/sie über die Wichtigkeit eigenständig entscheiden kann? Und: Bleibt der Grad der Wichtigkeit über einen bestimmten Zeitraum konstant oder wechselt er öfter (Chef, Kunde, Umstände)? Können Sie selbst darüber entscheiden oder werden Sie von außen beeinflußt?

Dringend: Auch hier dieselben Fragen. Können Sie sich auf die Fristen verlassen? Wie flexibel kann/muss/soll die Planung sein? Wie erfolgt die Entscheidung darüber: Fremdbestimmt oder selbstbestimmt?

Ein Teilnehmer in einer meiner Workshops bemerkte einmal:

Eisenhower ist eine tolle Methode, wenn man Präsident oder General ist.

Das bringt die Sache auf den Punkt. Eisenhower war beides, er konnte bestimmen, was “wichtig” und “dringend” ist. Die meisten von uns haben diese Möglichkeit nicht. Dann springt seine Methode zu kurz und es hilft ein Ansatz weiter, der möglichst einfach ist, aber eben nicht einfacher (Einstein). Getting Things Done zum Beispiel.



Kommentare

Kommentar von Oliver
Zeit: 28. Mai 2009, 10:15

Ganz deiner Meinung!

Und zu GTD: Graphisch aufgemalt sieht das sicher kompliziert aus, aber nach 30 Tagen Benutzung (wenn es so angepasst ist, dass es zu einem passt) hat man das Ding verinnerlicht, eben weil es mit dem natürlichen Denkfluss arbeitet und einfach Sinn macht… es ist nicht im Weg.

Kommentar von Tobias
Zeit: 28. Mai 2009, 13:44

@Oliver: Ich warte noch auf das Buch von Prof. Dr. Selke wenn es heisst “Neurologische Plastizität: Oder wie David Allen in Vergessenheit geriet” ;)

Kommentar von Andreas Reisenbauer
Zeit: 29. Mai 2009, 07:51

Ich nutze die Eisenhower-Methode eigentlich täglich und habe mir diesbezüglich eine Mindmap im Mindmanager angelegt, wo ich problemlos die Aufgaben herumverteilen kann. Gerade mir gefällt die Aufteilung in “WICHTIG” und “DRINGEND” an diesem Modell. Gut, ich bin selbst Unternehmer, also im gewissen Sinn auch flexibler, Aufgaben zu priorisieren. Flexibler wie vielleicht ein Angestellter in einem Unternehmen, der oft sehr fremdbestimmt agiert. Welche Methoden kennst du, die auch mit der Unterteilung “WICHTIG” & “DRINGEND” bzw. etwas Ähnlichem arbeiten und besser als Eisenhower sind?

Pingback von Der Link am Morgen: Warum Eisenhower nicht funktioniert » imgriff.com
Zeit: 29. Mai 2009, 10:28

[...] » Eisenhower funktioniert nicht! (toolblog.de) [...]

Kommentar von Stephan List
Zeit: 29. Mai 2009, 10:33

Danke für die Frage. Ehrlich gesagt, ich benötige eine solche Dingend/Wichtig-Methode nicht. Es gibt vier Begrenzungen ob man etwas tun kann oder nicht:
1. Ort (Kontext)
2. Verfügbare Zeit
3. Verfügbare Energie
4. erst dann Priorität
Diese vier Begrenzungen wirken quasi wie eine Art gestuftes Sieb. Unten kommt fast gar nichts mehr an. Nein im Ernst: Seit ich konsequent so vorgehe, muss ich nicht mehr priosrisieren, allenfalls implizit aus dem Bauch heraus.
Näheres bei Allen, “Wie ich die Dinge geregelt kriege”, S. 71.

Grüße – Stephan

Kommentar von Bernd
Zeit: 29. Mai 2009, 10:51

Hi, wirklich nachvollziehen kann ich die Einwände nicht. Ich habe das Eisenhower-Prinzip eine ganze Zeit lang erfolgreich angewendet. Zwei Dinge dazu. Erstens: Was wichtig bzw. dringend ist, bestimmt ich selbst. Es gibt keine fremdbestimmte Dringlichkeit, das ist eine Sache, die ich immer für mich selbst entscheiden muss. Wenn mein Chef kommt mit “bitte sofort”, wird es zumeist plötzlich oberste Priorität haben – aber für mich, weil ich etwas erreiche möchte (und sei es einen zufriedenen Chef …). Zweitens: Nach den dringlichen und wichtigen Dingen müssen als nächstes die wichtigen, aber nicht dringlichen getan werden. Das machen die meisten Leute falsch – oder sie verstehen den Unterschied zwischen dringlich und wichtig nicht. Warum ich die Methode heute nicht mehr verwende und zu einem GTD-System gewechselt bin? Ich habe erfahren, dass Eisenhower dann nicht mehr funktioniert, wenn es zu viele Aufgaben sind, die ich jonglieren muss – dann verliere ich bei nur zwei Kriterien irgendwann den Überblick …
Beste Grüße
Bernd ;-)

Kommentar von Robert
Zeit: 29. Mai 2009, 13:27

Meine Definition für Wichtig: Verdient mein Unternehmen damit Geld?
Hierbei muss man natürlich einzelne Aufgaben ggf. dem größeren Gesamtprojekt einordnen. Nicht jede Aufgabe ist per se wichtig, wird es aber dann wenn sie dazu dient ein Projekt voran zu bringen welches o.g. Frage bejaht.

Dringend: ist grundsätzlich alles, was einen fixen Abgabetermin hat.

Zu guter Letzt: es ist in der Tat schwierig, bei vielen gleichzeitig laufenden Aufgaben das Eisenhower-Prinzip anzuwenden. Hier empfiehlt sich die “NUNI” Dinge direkt in den Papierkorb zu befördern und alle “UNI”-Tätigkeiten komplett weg zu delegieren.

Kommentar von Eckart Beutel
Zeit: 29. Mai 2009, 18:18

Diese Matrix ist doch in allen GTD-Systemen eigentlich enthalten und so benutzt sie eben jeder , der GTD benutzt nur eben angepaßt an die jeweilige Situation und damit eher unbewußt. Ich arbeite gern mit Life Balance. Da kann ich durch ein DUE-Datum die Dringlichkeit ins Spiel bringen und parallel kann ich die Wichtigkeit (stufenlos) anpassen (und zwar für jeden Level im Projekt) und das alles im Rahmen eines Kontextes (place) und eines Projekts oder Lebensbereichs o.ä.. Das macht echt Sinn. Gruß Eckart

Kommentar von Stefan
Zeit: 31. Mai 2009, 14:17

Ich gehöre zu jenen, die die Eisenhower Methode angewendet und wieder verworfen haben. Derzeit gehe ich immer stärker in Richtung GTD, wobei ich die Methode nach meinen persönlichen Präferenzen anpasse.

Ich denke, darin liegt auch der Erfolg jeder Selbst- oder Zeitmanagement Methode: Nämlich in der individuellen Anpassung. Und: Die Wirksamkeit von Methoden hängt extrem von persönlichen Präferenzen und “Gedankenstrukturen” ab. Das kann man ja auch bei den Kommentaren zu diesem Beitrag erkennen: Dem einen entspricht die Methode hervorragend, dem anderen überhaupt nicht.

Deshalb gilt stets: Ausprobieren, kritisch reflektieren, weiter verwenden, anpassen oder eben wieder verwerfen und was Neues probieren.

Grüße aus dem Bregenzerwald, Stefan

Kommentar von Florian Fiegel
Zeit: 2. Juni 2009, 14:47

Also ich halte das Prinzip nicht für generell falsch. Allerdings stimme ich zu, dass man eine entsprechende Freiheit dafür benötigt. Als Angestellter hat man da oftmals nicht wirklich die Wahl. Als Freiberufler oder Selbstständiger schon.

Tendenziell kann dieses System aber natürlich nicht sämtliche Organisation ersetzen. Aber ich nutze es täglich beim Durcharbeiten meiner ToDo. Da GTD mir persönlich zu aufwendig und in gewissem Maß zu starr ist, setze ich eher auf ZTD und habe mir aus den vielen Systemen die es gibt einfach nur gewisse Ideen rausgepickt. Ich denke, dass sollte man prinzipiell so machen, denn fertige Systeme sind seltenst für tatsächlich jeden in vollem Maß geeignet.

Kommentar von chris
Zeit: 3. Juni 2009, 14:16

Egal ob GTD und/oder Eisenhower-Methode, beide Varianten funktionieren, man muss nur die Prioritäten ordnen. Für vielbeschäftigte und unter Termindruckstehende ist das besonders wichtig, ansonsten würde man ja überschlagen .. die ggf. schwerere Variante GTD wäre insbesondere Mangern u.ä. zu empfehlen für kleinere Aufgaben bzw, dem privatem reicht die einfache Eisenhower-Methode

Kommentar von Andreas Reisenbauer
Zeit: 5. Juni 2009, 18:55

Danke Stephan für den Hinweis mit den vier Begrenzungen. Hast du für die detaillierte Beschreibung dieses Modell vielleicht auch einen Link parat? In der ersten Beschreibung ist es für mich zu abstrakt, aber ich möchte es mir näher ansehen.

Kommentar von Stephan
Zeit: 6. Juni 2009, 21:36

Erster Startpunkt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitmanagement#Eisenhower-Prinzip

Ansonsten jede Menge Material im Netz.

Gruß
Stephan

Kommentar von spider
Zeit: 26. November 2009, 19:47

Danke für die vieln für mich hilfreichen Infos. Ich schau bald wieder vorbei:
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