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Wie Sie mit der Angst vor falschen Entscheidungen umgehen können

Flüchten oder Standhalten” heißt ein berühmtes Buch des noch berühmteren Psychotherapeuten Horst-Eberhard Richter. Ein interessantes Thema, denn wer weiß schon, wann der Zeitpunkt gekommen ist, eine Sache lieber in den Kamin zu schreiben anstatt unnötig Energie darauf zu verwenden, obwohl es ja vielleicht doch nichts mehr wird. Der amerikanische Ansatz “never give up” war mir schon immer suspekt. Ehrlich gesagt halte diese Einstellung unter bestimmten Umständen sogar für ziemlich dämlich. Elisabeta Ghidiu hat vor einiger Zeit einen m. E. lesenswerten Artikel zum Thema geschrieben: 8 Ways To Stop Being Afraid of Making Wrong Decisions. Ihre Tipps:

  1. Schauen Sie über das Risiko hinaus
  2. Bewahren Sie eine positive Einstellung (Ach ja, unsere amerikanischen Freunde)
  3. Erweitern Sie Ihre Komfortzone
  4. Wenn Sie aufgeben wollen, machen Sie noch einen Schritt (Das finde ich be-merkenswert)
  5. Ziehen Sie Aufgaben und Aktivitäten durch und verschieben Sie sie nicht
  6. Haben Sie keine Angst vor Wettbewerb
  7. Stärken Sie Ihren Willen mit religiösen Glaubenssätzen (ich würde das Wort “religiös” streichen und stattdessen “zielführend” setzen)
  8. Sorgen Sie für genügend Schlaf

Für mich war in jungen Jahren die “Angst vor falschen” Entscheidungen durchaus Thema. Was ich mit zunehmendem Alter gelernt habe: Wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann ist “der Würfel gefallen”. Man sollte dann nicht den vermeintlich verpassten Gelegenheiten hinterhertrauern. Was meinen Sie dazu?

3 Comments

  • Steffen
    Posted 2. September 2010 at 01:10 | Permalink

    Lieber Herr List, danke für den Hinweis auf die wirklich guten Tips und für Ihr Blog im Allgemeinen, das ich gerne verfolge. Zu Nr. 7 möchte ich anmerken, dass die Autorin im Original hier vor allem auf den Aspekt der Angst (z.B. vor dem Scheitern) abstellt, die in Entscheidungssituationen an Gott abgegeben werden kann. Diese Option haben Atheisten nicht, denn Angst kann nicht an “zielführende Glaubenssätze” abgegeben werden. Auch wenn Sie (es) nicht glauben – als Christ in einer Führungsposition erlebe ich täglich, wie eine lebendige Beziehung zu Gott in einem überaus stressigen Job den Willen und noch vieles andere mehr ganz außergewöhnlich stärken kann. Da kommen GTD, Blackberry und Co nicht mit ;-) Herzliche Grüße – Steffen

  • Posted 2. September 2010 at 09:12 | Permalink

    Meine Empfehlung zu dem Thema: “The Dip” von Seth Godin. Das Thema ist, ob man sich in einer Senke (dip) oder Sackgasse befindet. Aus der Senke geht es möglicherweise bald wieder raus; in die Sackgasse gerät ma immer tiefer rein, um am Ende festzustellen, dass es nicht mehr weitergeht.

    Die Entscheidung, wo man sich befindet, ist oft nur sehr schwer zu treffen. Hinterher ist man immer schlauer.

    Die oben genannten acht Tipps halte ich für ziemlichen Blödsinn bzw. für die Entscheidungsfindung nicht hilfreich:

    Nr. 8 ist trivial und immer richtig. Genügend Schlaf ist einfach Voraussetzung, um gesund zu bleiben und leistungsfähig zu sein. Das passt immer. Genauso könnte man auch sagen: Esse gesund. Nimmt keine Drogen. Beweg dich ausreichend, …

    Was soll 1.? Über das Risiko hinausschauen? Wenn ich mich in einer Sackgasse befinde, dann macht es Sinn, dass ich mich umdrehe und zurückgehe.

    5. halte ich für ziemlich bescheuert, wenn man falsch unterwegs ist: Der falsche Weg? Macht nichts? Lass uns schnell weitergehen!

    Die anderen Tipps sind nur hilfreich, wenn man sich in einer Senke befindet, das Ende noch nicht sieht und möglicherweise zu früh aufgibt.

    Was wirklich hilft in diesem Situationen sind m.E. ganz andere Dinge:

    Aufmerksamkeit: Es ist ganz wichtig, hellwach zu sein, um möglichst viele Signale mitzubekommen.

    Nutzen / Kosten-Betrachtung: Wenn es mich nur etwas Zeit kostet, um noch ein Stück weiterzugehen, ist der Schaden bei einer Sackgasse nicht so schlimm. Ich kann eventuell noch einen Lerneffekt für das nächste Projekt mitnehmen.

    Risiko-Abwägung Was kann maximal passieren, wenn ich mir auf einem Irrweg befinde? Überwiegt der mögliche Nutzen das Risiko?

    Alternativen: Kann ich mit anderen Methoden, Tests, Analysen, … herausfinden, wo ich mich befinde? Das heißt nicht einfach so weitermachen oder aufgeben, sondern einmal innehalten und reflektieren.

    Und dann noch ein Tipp, wenn man sich entschieden hat, egal wie: Nicht bedauern. Wenn man sich für das Risiko entschieden hat, muss man auch damit rechnen, dass es eintritt. Dann hilft keine “hätte ich doch nur”. Und wenn man aufgegeben hat, dann sollte man auch nicht bedauern, wenn sich später rausstellt, dass man sich doch nur in einer Senke befunden hat.

  • Posted 3. September 2010 at 09:16 | Permalink

    @Steffen,
    das glaube ich Ihnen und beneide Sie auch dafür. Leider steht nicht allen dieser Weg offen.

    @Wolff Horbach
    Das mit der Senke und der Sackgasse finde ich ein interessantes Bild. Tipp Nr. 4 scheint mir in diesem Zusammenhang zur Klärung hilfreich.
    Nicht hinterhertrauern, nicht bedauern, da sind wir offenbar einer Meinung.

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